Die babylonische Weltkarte gilt als der erste Versuch der Menschheit, die bekannte Welt darzustellen. Sie wurde in Tontafeln geritzt, wird auf die Zeit um 600 v. Chr. geschätzt und zeigt Babylon im Zentrum sowie die Erde als flache, von einem Ozean umgebene Scheibe.
Während sich die allgemeine Auffassung über die Flachheit der Erde seither weiterentwickelt hat, ist der Wunsch der Menschen, die Welt um sie herum zu verstehen, geblieben.
Spulen wir in die Gegenwart vor, so sind die Auswirkungen von zwei Jahrtausenden menschlichen technologischen Fortschritts deutlich zu erkennen. Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen monatlich Google Maps, die beliebteste Smartphone-App aller Zeiten. Die digital gestützte Navigation ist lediglich eine Integration im Taschenformat in unseren Alltag und vielleicht die selbstverständlichste Innovation aller Zeiten.
Dennoch gibt es nach wie vor Grenzen, an denen digitale Navigationslösungen erst allmählich Fuß fassen. Würde man einem alten Babylonier ein Smartphone in die Hand drücken und ihm die Nutzung von Google Maps beibringen, könnte man ihm verzeihen, wenn er davon ausginge, dass sich das Navigationserlebnis nahtlos innerhalb von Gebäuden fortsetzt.
Die Mehrheit der Indoor-Lösungen hat jedoch Mühe, mit der Mühelosigkeit unserer bevorzugten Outdoor-Apps mitzuhalten – aber warum?
Indoor-Positionierung ohne GPS
Die Technologie zur Indoor-Positionierung unterscheidet sich grundlegend von der im Freien, aus dem einfachen Grund, dass die GPS-Abdeckung durch physische Hindernisse wie ein Dach stark beeinträchtigt wird.
Es gibt mehrere aufkommende Technologien für die Indoor-Positionierung, die meisten basieren jedoch auf einer großen Menge an wandmontierter Hardware in Kombination mit der in unseren Smartphones vorhandenen Technologie. Bluetooth Low Energy (BLE), WiFi und Ultra Wideband (UWB) sind nur einige Beispiele.
Keine einzelne Technologie beherrscht den Markt, da jede ihre Vor- und Nachteile hat. Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Kosten, Hardware-Interoperabilität und Wartung sind nur einige der Faktoren, die abgewogen werden müssen, um ein nahtloses Erlebnis zu bieten.
User Experience in komplexen Innenräumen
Digitale Darstellungen von Außenbereichen sind für Menschen leicht verständlich, da sie in der Regel in einer zweidimensionalen Draufsicht gerendert werden. Nutzer können die Karte mit den realen, sichtbaren Orientierungspunkten in ihrer Umgebung vergleichen, was die Positionsbestimmung enorm erleichtert.
Ein mehrstöckiger, komplexer Innenraum führt nicht nur eine zusätzliche Dimension ein, sondern umfasst in der Regel auch Flure und Räume. Massive Wände machen die Sichtbarkeit von Orientierungspunkten zunichte, was oft zu einer verwirrenden User Experience führt.
Was kann getan werden?
Nutzung von Multi-Technologie-Modellen
Der Schlüssel zur Optimierung von Indoor-Positionierungsdaten liegt darin, sich bei der Bereitstellung von Positionsdaten nicht auf eine einzige Technologie zu beschränken. Moderne Smartphones können BLE, Geomagnetik, WiFi, Beschleunigungsmesser, GPS und UWB nutzen – ein mathematisches Modell, das in der Lage ist, eine Auswahl dieser Technologien gemeinsam zu nutzen, um in einer Reihe schwieriger Szenarien eine genauere Positionierung zu ermöglichen.
Bereitstellung einer starken UX und mehrdimensionaler Karten
Die optimale UX für die Indoor-Navigation ist schwer zu definieren.
Viele Unternehmen experimentieren mit hochmodernen Funktionen wie detaillierten 3D-Kartenvisualisierungen, Augmented Reality, haptischem Feedback und „Etagenwechsler“-Funktionen. Abgesehen von den auffälligen Innovationen ist die wichtigste Frage, die Indoor-Lösungen beantworten müssen: „Kann meine Zielgruppe aus dieser Karte das entnehmen, was sie braucht?“.
Man vergisst leicht, dass AR in Google Maps bereits seit 2019 verfügbar ist und als Navigationsmethode kaum bis gar keinen Anklang gefunden hat. Die neuesten 3D-Karten sind Kunstwerke und hochpräzise, aber die Forschung zeigt, dass 2D für Menschen in vielen Fällen leichter zu verarbeiten ist.
Im Bereich UX besagt Jakobs Gesetz, dass „Nutzer die meiste Zeit auf anderen Websites verbringen. Das bedeutet, dass Nutzer es bevorzugen, wenn Ihre Website genauso funktioniert wie alle anderen Websites, die sie bereits kennen“.
Google Maps gibt es seit 2005, was bedeutet, dass sich die Nutzer seit fast 20 Jahren mit der Kartenoberfläche und den Gesten vertraut machen konnten. Das soll nicht heißen, dass es bei Indoor-Lösungen keinen Spielraum für Innovationen gibt, sondern vielmehr, dass Abweichungen von der Standard-UX sorgfältig abgewogen, bewusst gewählt und streng getestet werden sollten.
Erfahren Sie, wie Purple mit Digital Wayfinding herausragendes Mapping und Indoor-Navigation für einige der bekanntesten Marken der Welt liefert.
Für weitere Lektüre zum faszinierenden Thema des menschlichen Verständnisses von 2D- vs. 3D-Karten empfehlen wir Folgendes:
People are not frogs verfasst von Web-Usability-Legende Jakub Neilsen
To 3D or not to 3D verfasst von Mark Harrower







